Mikroplastik im Alltag: Politische Chance für Pilotprojekt vertan

Stellen Sie sich vor, Sie würden sich jede Woche eine Kreditkarte in Ihr Essen mischen. Und täglich zehntausende Plastikpartikel über Ihr Trinkwasser aufnehmen. Unvorstellbar? Leider ist genau das Realität.

Studien zeigen, dass jeder Mensch im Schnitt wöchentlich Mikroplastik in der Größenordnung einer Bankkarte aufnimmt – über Wasser, Nahrung und sogar die Luft. Mikroplastik ist längst zu einer ernsthaften Bedrohung für Umwelt und Gesundheit geworden. Es bindet Schadstoffe wie Schwermetalle und Pestizide, verändert die Bodenstruktur und beeinträchtigt die Fruchtbarkeit unserer Böden. In Gewässern wird es von Fischen aufgenommen und gelangt über die Nahrungskette zurück auf unsere Teller. Auch im menschlichen Körper kann Mikroplastik Entzündungen auslösen und den Hormonhaushalt beeinflussen.

Ein wesentlicher Verursacher ist der Abrieb von Autoreifen: Rund 45 % des in Böden nachgewiesenen Mikroplastiks stammt aus diesem Bereich. Durch Regenfälle gelangt dieser Abrieb in die Kanalisation und von dort in unsere Gewässer. Herkömmliche Filteranlagen sind jedoch bislang nicht darauf ausgelegt, Mikroplastik zuverlässig zurückzuhalten.

So können in Fließgewässer beispielsweise bis 280 kg/ha*a an sehr feinen Feststoffpartikeln (AFS63) eingeleitet werden. Dadurch wird zwar die Masse der Partikel aber nicht deren Gefährlichkeit begrenzt

Vor diesem Hintergrund brachte die Gruppe Grüne/SPD im Rat der Samtgemeinde Hanstedt am 10. April einen Prüfauftrag zur Einführung eines Pilotprojekts für Regenwassermanagement mit Mikroplastikfiltration ein. Ziel war es, innovative Lösungen zu prüfen und konkrete Maßnahmen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit zu entwickeln.

Dieser Prüfauftrag wurde jedoch von allen anderen Fraktionen abgelehnt.

Angela Sanchez (Bündnis 90/Die Grünen) erklärt dazu: „Nur weil es rechtlich nicht geboten ist, heißt es nicht, dass wir nicht trotzdem das Richtige tun können. Wir hätten hier die Chance gehabt, vorausschauend zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.“

Dr. Manfred Lohr (SPD) ergänzt: „Die Belastung durch Mikroplastik ist längst Realität. Ein Prüfauftrag wäre ein erster, pragmatischer Schritt gewesen, um Lösungen zu entwickeln – ihn abzulehnen, ist ein falsches Signal.“

Damit wurde eine Chance vertan, frühzeitig auf ein wachsendes Umweltproblem zu reagieren und Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen.

Zentrale Fragen, die sich nun stellen:

• Wie lange wollen wir noch zusehen, obwohl die Belastung längst nachweisbar ist?

• Warum wird die Prüfung gesundheitsgefährdender Tatbestände mit dem Hinweis auf mögliche hohe Kosten abgelehnt, obwohl es lediglich um einen „Prüfauftrag zu möglichen Lösungsansätzen“ geht? 

• Welche Priorität hat der Schutz von Gesundheit und Umwelt in der kommunalen Politik tatsächlich?

• Wollen wir erst handeln, wenn die Folgen nicht mehr umkehrbar sind?

• Welche Verantwortung tragen wir gegenüber zukünftigen Generationen?Die Fakten liegen auf dem Tisch.

Jetzt braucht es politischen Willen, um zu handeln.