Unser Bahn-Manifest für den Landkreis Harburg

Überparteiliche Erklärung

Im ersten Halbjahr 2026 wird sich der Deutsche Bundestag mit der parlamentarischen Befassung über Neubautrassen befassen. Aus diesem Grund geben wir, die hier Unterzeichnenden, folgende Erklärung ab:

Der Landkreis Harburg benötigt einen intelligenten, zukunftsfähigen und bedarfsgerechten Aus- und – wo sinnvoll – Neubau von Bahnstrecken. Ziel ist es, unsere stark belasteten Straßen nachhaltig zu entlasten, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und den Menschen im Landkreis eine echte, alltagstaugliche Alternative zum Auto zu bieten. Eine leistungsfähige Bahn ist ein zentraler Baustein für Klimaschutz, soziale Teilhabe und wirtschaftliche Entwicklung.

Ablehnung der geplanten Neubaustrecke Hamburg–Hannover

Die derzeit geplante Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover lehnen wir entschieden ab.

Unsere Region ist bereits heute durch Autobahnen und Bundesstraßen stark zerschnitten. Ein weiterer Neubau – insbesondere entlang bestehender Autobahntrassen – würde die Zerschneidung von Landschaften, Lebensräumen und landwirtschaftlichen Flächen weiter verschärfen. Für zahlreiche Gemeinden im Landkreis Harburg würde dies faktisch eine Einkesselung zwischen Straße und Schiene bedeuten. Die Folgen wären ein erheblicher Verlust an Lebensqualität, zusätzliche Lärm- und Schadstoffbelastungen sowie langfristige Beeinträchtigungen für Natur, Erholung und Ortsentwicklung.

Geringer Nutzen bei hohem Schaden

Dem gegenüber steht ein vergleichsweise geringer verkehrlicher Nutzen:

Die prognostizierten Fahrzeitverkürzungen zwischen Hamburg und Hannover betragen lediglich einige Minuten, bei einem erwarteten Fahrgastzuwachs von höchstens 11 Prozent. Diese Vorteile kommen nahezu ausschließlich den Metropolräumen zugute, während die ländlichen Räume die ökologischen, sozialen und finanziellen Lasten tragen.

Für die Menschen im Landkreis Harburg bedeutet das Projekt hingegen jahrelange Bauphasen mit Lärm, Erschütterungen, Flächenversiegelung, Naturzerstörung und zusätzlichen Treibhausgasemissionen – ohne eine spürbare Verbesserung der eigenen Mobilität.

Klimaschutz ernst nehmen

Pro gebautem Bahnkilometer entstehen nach gängigen Berechnungen rund 80.000 Tonnen CO₂-Äquivalente. Ein großflächiger Neubau dieser Art würde die regionalen und nationalen Klimaschutzziele erheblich konterkarieren und uns in unseren Bemühungen um Klimaneutralität deutlich zurückwerfen. Klimaschutz darf nicht nur im Betrieb, sondern muss auch in der Planung und im Bau von Infrastruktur konsequent mitgedacht werden.

Ungleichbehandlung von Stadt und Land

Erneut droht eine Verkehrspolitik, die vor allem die Bedürfnisse der Großstädte priorisiert, während die Menschen im ländlichen Raum die Kosten tragen.

Viele Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Harburg werden auch künftig auf das Auto angewiesen bleiben, während dessen Nutzung zunehmend teurer wird. Der nächste ICE-Bahnhof bleibt für große Teile der Bevölkerung nur mit bis zu 30 Minuten Autofahrt erreichbar – ein strukturelles Ungleichgewicht, das durch die Neubaustrecke nicht behoben wird.

Unsere Forderungen

Unsere zentralen Forderungen sind die konsequente Umsetzung der im Dialogforum Schiene Nord erarbeiteten „Alpha-E“-Variante aus dem Jahr 2015 sowie der im Jahr 2021 im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens beschlossene Bau eines Überwerfungsbauwerks in Meckelfeld. Dies würde zu einer erheblichen Entlastung bestehender Engpässe im Schienenverkehr und unmittelbar zu einer Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Schienennetzes führen.

Darüber hinaus fordern wir:

1.  Priorität für den Ausbau und die Modernisierung bestehender Bahnstrecken statt eines ökologisch und sozial problematischen Neubaus.

2.  Konsequente Reaktivierung stillgelegter Strecken und Haltepunkte, um die Fläche besser anzubinden.

3.  Verbesserung des Regional- und Pendlerverkehrs, inklusive dichterer Takte, besserer Anschlüsse und verlässlicher Pünktlichkeit.

4.  Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene, insbesondere durch intelligente Nutzung bestehender Korridore, um Straßen zu entlasten.

5.  Stärkere Bürgerbeteiligung und Transparenz bei allen Planungen – frühzeitig, ernsthaft und auf Augenhöhe.

6.  Umfassenden Lärm- und Naturschutz dort, wo bestehende Strecken ausgebaut werden.

7.  Barrierefreiheit und soziale Zugänglichkeit der Bahn für alle Bevölkerungsgruppen.

Moderne Technologien nutzen

Der rasante technologische Fortschritt eröffnet heute völlig neue Möglichkeiten, die Leistungsfähigkeit bestehender Schieneninfrastruktur deutlich zu erhöhen:

•          Einsatz von künstlicher Intelligenz zur intelligenten Verkehrssteuerung, Kapazitätsoptimierung und Störungsprävention

•          Digitale Stellwerke, moderne Leitsysteme und Assistenzsysteme

•          Perspektivisch automatisierte oder fahrerlose Züge auf geeigneten Strecken

•          Effizientere Nutzung bestehender Gleise durch moderne Signal- und Sicherungstechnik

Diese Ansätze sind kosteneffizienter, schneller umsetzbar und deutlich umweltverträglicher als großräumige Neubauprojekte.

Unser Leitbild

Wir stehen für eine Verkehrspolitik, die Klimaschutz, Lebensqualität, Wirtschaftlichkeit und soziale Gerechtigkeit miteinander verbindet. Eine starke Bahn darf nicht auf Kosten der ländlichen Räume entstehen, sondern muss diese gezielt stärken.

Eine nachhaltige Mobilitätswende gelingt nur gemeinsam – mit den Menschen vor Ort, nicht gegen sie.

Unterschriften:

Angela Sanchez (B90/Die Grünen), Dr. Manfred Lohr (SPD), Heinrich Nieschulz (CDU), Gunnar Hofmeister (FDP), Gerhard Schierhorn (UNS)